Renate Wiehager - Buch & Medien>
Renate Wiehager u.a.: Minimalism and After. Tradition und Tendenzen minimalistischer Kunst von 1950 bis heute. Daimler Art Collection, Hatje Cantz 2010
erschienen 13.07.2010 | Ursula Siepe
Die These der Ausstellungsreihe ›Minimalism and After‹ war, eine Wirkungsgeschichte neu zu entdecken, die mit der ‚Emigration' von Bauhaus und Konstruktivismus in den 1930er Jahren und deren Rezeption in den USA ihren Anfang nahm. Unsere Autorin Ursula Siepe hat sich mit diesem Phänomen beschäftigt.
Wiehager u.a. © Cover Hatje Cantz
In ihrem Beitrag zum jüngst erschienenen »Metzler Lexikon Avantgarde« fasst die Kunsthistorikerin Annette Spohn den Minimalismus als einen »Sammelbegriff für eine Geisteshaltung, die seit den 60er Jahren in verschiedenen Bereichen wie bildender Kunst, Tanz, Architektur, Literatur und Musik auftaucht«. Wohlgemerkt, es handelt sich laut Spohn um eine »Geisteshaltung« und nicht etwa um einen Stilbegriff oder um eine chronologisch festumrissene Epochenbezeichnung. Gleichwohl lassen sich einige Merkmale resp. Kriterien benennen, die das Phänomen »Minimalismus« der definitorischen Willkür entreißen und eine einigermaßen konturierte Gegenstandsbestimmung erlauben. So ist »minimalistisch« eine Kunst zu nennen, die antimimetisch ist, auf gestalterische wie emotionale Reduktion und Geometrisierung setzt und überhaupt den Bildcharakter des Kunstwerks soweit als möglich zu eliminieren trachtet.
Uneindeutig ist, inwieweit der Begriff »Minimalismus« mit dem des Konstruktivismus historisch und stilkritisch konvergiert oder koinzidiert; denn beide Begriffe zielen ab auf Werke absolut ungegenständlichen und a-subjektiven Charakters.
Die 1977 mit dem Ankauf eines Gemäldes von Willi Baumeister (»Ruhe und Bewegung« von 1948) begründete Daimler Kunst Sammlung erlangte – nach anfänglicher Konzentration auf Werke von Künstlern der Stuttgarter Akademie und des süddeutschen Raums – 1986 erstmals internationale Aufmerksamkeit mit einer Auftragsvergabe an Andy Warhol: »Cars« ist der Titel seiner Serie zum Thema »Auto – Ikone der Mobilität«, die 1986 begonnen wurde und infolge des Todes Warhols (1987) unvollendet blieb. Das Warhol-Projekt markiert nicht nur den Wendepunkt zu einer Umorientierung von regionalen zu internationalen Künstlern, sondern schließlich auch zu einer Öffnung der konzerninternen (»zur Unterstützung kultureller und sozialer Prozesse im Unternehmen«, wie es bei Daimler heißt) Kunstsammlung für die interessierte Öffentlichkeit. Nach der ersten Ausstellung in der Berliner Nationalgalerie 1998 wird ein Jahr später ein eigener Ausstellungsraum außerhalb der Werksgebäude eingerichtet: das »Daimler Contemporary« am Potsdamer Platz in Berlin.
Heute umfasst die Sammlung etwa 1800 Werke von rund 600 deutschen und internationalen Künstlern der »abstrakten Avantgarden des 20. Jahrhunderts« mit einem Schwerpunkt »im Bereich einer abstrakt-konstruktiven, konzeptuellen oder minimalistischen Bildauffassung«, wie sich die Sammlung selbst beschreibt: »vom Stuttgarter Kreis um Adolf Hölzel von 1910 über Bauhaus, Konstruktivismus, Konkrete Kunst, Minimalismus, konzeptuelle Tendenzen, Neo Geo bis in die jüngste Gegenwartskunst«.
Letzte Änderung: 02.08.2010, 09:52












