Adolf Schroedter – Humor und Poesie im Biedermeier. Städtische Galerie, Karlsruhe, bis 5. April 2010

Anscheinend gab es in den letzten hundert Jahren keine Ausstellung mit Werken Adolph Schroedters in dieser Größenordnung. So können wir uns kaum noch vorstellen, welche Breitenwirkung der Künstler im 19. Jahrhundert hatte, als sich die wildwüchsige Romantik einerseits ausdünnte ins Biedermeierliche, zum anderen die sprichwörtliche romantische Ironie in augenzwinkernde Komik überging. Zur Bezugsperson wird nun eher Carl Spitzweg als etwa Caspar David Friedrich erkoren, die Blaue Blume wird ersetzt durch Weingeistseligkeit und Korkenzieherornamentik – die sich bei Schroedter bis in sein Monogramm verfolgen lässt. Was hier als Oberflächlichkeit kritisiert werden kann, ist zugleich von großem pädagogischem Wert: Schroedter bringt den Breitengeschmack mit weltliterarischen Themen in bemerkenswerten Gemälden zusammen – Don Quixote und Falstaff werden endgültig Allgemeingut, und Goethes Lyrik mischt sich mit einfachen Denksprüchen, beides umrankt mit Schroedterschen Arabesken. In einem solchen Klima entwickelt sich auch die politische Karikatur – im Fall des Adolph Schroedter begegnet sie uns in dem Abgeordneten Piepmeyer, freilich eng verbunden mit den Revolutionsjahren 1848/49. Es passt ins Bild, dass Schroedter gemeinsam mit seiner Frau (einer einst renommierten Blumenmalerin) wenig später, ab 1952, Zeichenunterricht für junge Frauen erteilte.

In der Städtischen Galerie Karlsruhe mag eine solche Ausstellung überraschen, man würde sie eher in der dortigen Kunsthalle verorten, aber sie geht auf eine Schenkung aus dem Jahr 2003 zurück, die mit der Verpflichtung zur öffentlichen Präsentation verbunden ist. Wahrscheinlich vermag diese groß angelegte, ambitionierte Schau nicht, den Maler dauerhaft aus der Versenkung zu heben, aber allein die Bekanntschaft mit einzelnen Arbeiten wie dem von dickleibigen Büchern umstellten »Don Quijote« von 1834 macht die Ausstellung zu einem Gewinn.

Geschrieben von Sebastian Strenger