Ohne Albrecht: Endy Hupperich – Lorena Herrera Rashid – Martin Fengel, Ferenbalm-Gurbrü Station, Galerie für aktuelle Kunst, bis 15. Januar 2011

Lorena Herrera Rashid (*1972) lebt und arbeitet, wie auch die beiden anderen Künstler, in München und studiert dort seit 2005 bei Professor Olaf Metzel. Die Künstlerin arbeitet vor allem skulptural. Mit dem Rückgriff auf Gebrauchsgegenstände bindet sie Emotionen, religiöse Zeichen und politische Stellungnahmen in ihren Arbeiten zusammen. Kritisch nimmt sie so Bezug auf die Problematik der kulturellen Identität oder aktuelle politische Vorgänge. Zentral im Raum positioniert, dominiert Lorena Herrera Rashids »Wunschplatz« (»plaza del deseo«) entscheidend das Gesamtbild der Ausstellung. Aus Plastikmülltonnen, schwarzer Folie, P?astersteinen und Brettern ergibt sich ein, so scheint es, aus dem Stegreif erschaffenes Gebilde, das Bilder von Bauten in Schwellenländern in Erinnerung ruft.

Im Kontrast zu den verwendeten Materialien steht das Sujet: ein Platz mit Bank und einem Springbrunnen – ein satirischer Blick auf die Eleganz und Idylle bürgerlichen Daseins. Als Zeichen des Wunsches, es möge aus bescheidenen Mitteln doch noch etwas Herrliches entstehen, lassen sich die am Grund des mit Wasser gefüllten Beckens liegenden Geldstücke deuten. Auch wenn die Künstlerin durch ihre »Anmut der Armut« längst bewiesen hat, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen kann. Politisch hoch aktuell und, für sich gehängt, stark präsent, erstrahlt im sterilen weißen Licht eines kleinen, separierten Raums der Galerie ihre Arbeit »Star Bang«. Ein Teppich mit orientalisch anmutendem Muster, dominiert von eingebrannten amerikanischen StarsandStripes. Es bedarf keines zweiten Blicks, um die eindeutige Anspielung auf den Kon?ikt zwischen der arabisch-muslimischen Welt und den USA, als Repräsentant der westlichen Welt, auszumachen. Vor allem das Aufdrängen der westlichen Kultur und ihrer Werte und Vorstellungen, werden hier gebrandmarkt. Lorena Herrera Rashids dritte Skulptur fällt ästhetisch scheinbar völlig aus dem Konzept. Neben den etwas trashig, zusammengewürfelt wirkenden Arbeiten ?ndet sich unerwartet eine klassische Pferdeplastik »La Historia o?cial«.

Fengel und Hupperich stellen nicht das erste Mal miteinander aus. Die großformatigen Malereien Hupperichs werden zusammen mit den Fotogra?en Fengels in einer spannenden installativen Hängung gezeigt. Endy Hupperich (*1967), Schüler Helmut Sturms und selbst zwei Jahre Gastprofessor an der Escuela Nacional de las Artes la Esmeralda in Mexiko City, verbindet in seiner Malerei Zitate verschiedener Bildwelten, der künstlerischen wie der trivialen. So bedient er sich frei der Typografie von Werbegrafik und verschiedenen Figuren der Popkultur. Bambi und andere Comicelemente lassen an Pop Art denken. Beein?usst sieht sich Hupperich jedoch eher von Diego Velasquez, Sigmar Polke und Martin Kippenberger. Collagenartig fügt er Ausschnitte zusammen und verunklärt ihre Übergänge durch Übermalung. In seiner Arbeit »Group Show« nimmt er Bezug auf die amerikanische Pop Art und thematisiert dadurch im Hinblick auf den lateinamerikanischen Hintergrund seines Schaffens, die Angleichung kultureller Phänomene in einer globalisierten Konsumkultur.

Martin Fengel (*1964), freischaffender Fotograf und Inhaber einer Gra?kagentur, ?ndet die Motive seiner Fotoarbeiten in alltäglichen Situationen der weiten Welt, aus der er schöpft und sammelt. Die Blitzlichtre?exe, die in seinen Arbeiten wie den »Beinen« oder einer Fotogra?e eines Tinten?schmodells auffallen, zeigen Fengels Interesse am konkreten, im Augenblick uninszeniert aufgenommenen Objekt. Eine weitere Fundgrube für Fengels Arbeiten stellen Zeitungs- oder Magazinabbildungen dar, die er abfotogra?ert. Hierbei interessieren ihn vor allem Details, die er vergrößert und oft mit fragmentarischen Texten versieht. Die Arbeit »Until I met Len« ist hierfür ein Beispiel. Fengels Werke verdanken sich sehr unterschiedlichen fotografischen Verfahren. Ein homogenes Bild seines Schaffens ergibt sich also nicht – daran kann man sich stoßen. In der dialogischen Hängung mit den Werken Endy Hupperichs fällt diese Diversität allerdings nicht störend ins Gewicht.

Geschrieben von Mona Leidig