Bauhaus heute – Kunst und Lehre in Weimar 2009, bis 6. November 2009 an verschiedenen Orten Jenas

Liz Bachhubers Installation «Kristall» in der Galerie der Jenoptik AG will an den Untergang der DDR-Kultur erinnern. Sie besteht aus Kühlschranktüren, in die Vogelflugformen eingestanzt wurden und von hinten angestrahlt werden, so dass der Eindruck eines sich bewegenden Vogelschwarms entsteht. Ebenfalls in der Galerie der Jenoptik befindet sich das Fotogramm «Die Grenzen der Welt» von Norbert W. Hinterberger, die in Zusammenhang mit der Installation «Platons Hörsaal» steht. Hinterberger hat dort den paradoxen Satz «Ein Blinder versucht sein Bild von der Welt einem Tauben zu Gehör zu bringen» von der Sonne auf Fotopapier belichten lassen. Hier wie im Hörsaal wird konkret auf Platons Höhlengleichnis in Politeia 7, 106 hingewiesen, in der im Bereich des nur Denkbaren die Ideen das Wirkliche der Welt sind und die uns erscheinende Welt nur Schattenbilder dieser Ideen darstellt. In «Platons Hörsaal» in den Räumen des Jenaer Kunstvereins hat Hinterberger Schreibtischlampen verteilt, die abwechselnd Licht auf Schriften von 17 berühmten Jenaer Geistesgrößen werfen. Die Schrift des Mathematikers, Pädagogen und Philosophen Erhard Weigel wird 46 Sekunden angestrahlt, da Weigel 46 Jahre in der Salana lebte. Das Licht von Georg Wilhelm Friedrich Hegels Lampe leuchtet dagegen nur 6 Sekunden auf. So entsteht ein Spiel aus Licht und Dunkelheit, das Erkenntnisse mit sich bringt und doch nicht zur völligen Erleuchtung führt.
Barbara Nemitz verweist in ihrer Assemblage «KünstlerGärten Weimar» hingegen darauf, dass Kunst Wachstum ermöglicht und neue Kunst generiert. Das Projekt läuft seit 1993 und bietet den Künstlern Raum, die mit lebender Vegetation arbeiten. Die Fotografien zeigen daher Blumenbeete, den Ausschnitt einer Parklandschaft, ein Grassofa, einen Laubhaufen und vieles mehr.
Elfi Fröhlich setzt sich in ihren Fotoarbeiten in der Galerie „pack of patches“ hingegen mit der Frage auseinander, wann wir bereit sind, ein Motiv als Bild und dann als Kunstwerk anzuerkennen.
In der Galerie des Optischen Museums präsentiert Herbert Wentscher wiederum in seinem Video «Übungen, die ich gern öfter machen würde» eine animierte menschliche Figur, die aus langsamen Bewegungen sichtbare Formen, welche wie materialisierte Wünsche oder Ideen erscheinen. So wirft die Figur beispielsweise ein Mal eine flammende Kugel, die sie vorher aus ihrer Brust geholt hat, in Richtung Betrachter.

Fazit: Die Themen und Fragestellungen der Künstler haben sich heute gegenüber dem historischen Bauhaus geändert und wirken unabhängig davon. Liz Bachhuber fasst dies als ein Über-das-Bauhaus–Hinausdenken auf. Für Norbert W. Hinterberger ist Bauhaus heute vor allem ein international zugkräftiger Markenname, Verbindungen zu seiner eigenen Kunst sieht er daher kaum noch.


Ausstellungsorte:
Galerie der JENOPTIK AG
Galerie des Jenaer Kunstvereins im Optischen Museums
Galerie Stadtspeicher Jena
Galerie „pack of patches“ Jena

 

Geschrieben von Rowena Schubert-Fuß