Duckomenta II – Die Enten sind zurück, 14. Internationaler Comic-Salon Erlangen, bis 6. Juni 2010
Natürlich wäre es nicht ratsam umzusetzen, aber angesichts der hysterischen Töne aus Ägypten wegen der Berliner Büste der Nofretete wäre es ein verbotener Heidenspaß, statt des ehrwürdigen Originals, die Kalkstein-Gips-Version namens »Königin Duckfretete« einzupacken und nach Kairo zu senden. Die ist zurzeit auf einer Ausstellungstour zu sehen, die die Kunstgeschichte über den Donald-Duck’schen Entenschnabel definiert und als »Duckomenta« zum zweiten Mal nach rund fünf Jahren Hunderte von Entenbildnissen präsentiert, die allesamt Originalwerke der Kunstgeschichte von der Steinzeit bis zur Gegenwart (und darüber hinaus!) zitieren bzw. parodieren. Hinter dem Projekt stecken durchaus seriöse Wissenschaftler und Künstler, darunter der Kunstsoziologe im Ruhestand, Eckhart Bauer, der Sartorius-Schüler Volker Schönwart sowie der Farbenmeister Rüdiger Stanko, der begnadete Zeichner und Fotograf Ommo Wille, Projektleiterin Anke Doepner und andere mehr. »Bei allem Humor: Wir nehmen unsere Vorbilder aus der hohen Kunst ernst; wir … verehren sie und versuchen, uns in ihre Arbeits- und Denkweisen hineinzuversetzen«, heißt es dazu in dem opulenten Katalog aus dem Egmont/Ehapa-Verlag, der den Spaß der Betrachtung noch weiter treibt, indem er eine »Duck«-reife Provenienzforschung unter der redaktionellen Verantwortung von Wolf Stegmaier, seit 2009 Chefredakteur der Ehapa Comic Collection, erfindet – in drei Sprachen, versteht sich. So erfährt der Leser auch, dass jene in »Ruinen einer ägyptischen Bildhauerwerkstatt« gefundene Königin Nofretete »bis heute als eine der schönsten Enten der Welt gilt«. Der starke Band erweitert einen im Format kleineren, nicht minder lustigen, wenn auch nicht so aufwändigen Katalogband aus dem Jahr 2003, der im Berliner Nicolai-Verlag erschien.
Die Ausstellung selbst ist betont kulturbeflissen, was schon Grund genug zum herzhaften Schmunzeln ist. »Wir sind davon überzeugt«, heißt es, »dass diese Enten real existieren, es sind Personen und Wesen, die von der Geschichtsschreibung vergessen worden sind.« Das liegt freilich daran, dass man die Originale zumindest aus Kunstbüchern nur zu gut kennt und dass es kaum sinnvoll ist, alle Arbeiten beim Namen zu nennen – eigentlich gibt es nichts, was es nicht gibt, das heißt: Die Schau ist ein imaginiertes, ver-entetes Museum par excellence. Dabei werden alle Gattungen bedient, neben der Malerei ist die Grafik genauso vertreten wie die Plastik und sogar die neuen Medien, denen es zu verdanken ist, dass wir noch Bilder von der Marsoberfläche zu sehen bekommen, die beweisen, dass Entenhausen vor und hinter der Erde nicht Halt macht. Oder haben sich die Enten mit ihrer Kultur, die immerhin mit den Koordinaten »Wahrheit« und »Wirklichkeit« samt ihren Gegenteilen spielt, dorthin aus dem Staub gemacht? Und wenn es selbstredend alles nicht wahr oder wirklich ist: ist es doch erst recht sicher, dass diese Enten-Parade durch (Kunst-)Raum und -Zeit eindeutig auch Kunst ist. Schnell ist man dabei, einen Kitschverdacht auszusprechen, der aber auf die Goldwaage gelegt werden muss. Denn allein die De-Stijl- und Bauhaus-Anmutungen lassen erkennen, dass er nicht ohne weiteres greift. Dabei ist der soziologische Hintergrund, wie wohl zum optischen Genuss entbehrlich, kaum zu unterschätzen. Letztlich geht es »interDuck«, als welche die sich seit den 1980er Jahren entwickelnde Künstlergruppe firmiert, um eine durch die Marke einer Ente bestimmte Parallelwelt, um die Persiflage von Merchandising und, ja: allenfalls um eine Persiflage des Kitsches. Und ganz nebenbei darf man davon ausgehen, dass unter den Jugendlichen, die sich eher widerwillig aus dem Internetplatz heraus Richtung Museum oder Galerie oder sogar gen Comic-Salon bewegen, vielleicht welche darunter sind, die eine solch krasse Kunstgeschichte geil genug finden, um die eine oder andere Originalvorlage auch einmal unter die Lupe zu nehmen. Das wäre dann schon ein Triumph. Gelegenheiten gibt es zuhauf, denn interDuck scheint nicht müde, um auch noch in den kommenden Jahren durch die Republik zu tingeln.
Weitere Informationen
Die Duckomenta ist außerdem noch an den folgenden Orten zu sehen:
- Schloss Neuhardenberg bei Berlin, bis 13. Juni 2010
- Schloss Neuenbürg bei Pforzheim, 18. Juni bis 29. August 2010
- Römer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim, 12. September 2010 bis 1. Mai 2011