Durch Orient und Okzident. Die Kunstreisen des Hubert Sattler auf vier Kontinenten
10. März 2026,
Geschrieben von Andreas Maurer
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Epoche der Beschleunigung. Dampfschiffe, Eisenbahnen, neue Kommunikationswege und ein selbstbewusstes Bildungsbürgertum veränderten den Alltag tiefgreifend. Reisen wurde zur Obsession einer Zeit, die sich selbst als modern begriff, und die Landschaftsmalerei avancierte zum bevorzugten Medium, um sich die wachsende Welt visuell anzueignen. In genau diesem historischen Klima setzt Christoph Braumanns Buch über Hubert Sattler an.
Kosmorama: Die Memnonkolosse im Niltal (Ägypten) Memnonkolosse Weltkulturerbe seit 1979, 1846
Diese Blätter sind weit mehr als bloße Vorarbeiten; sie fungieren als eine Art visuelles Tagebuch.
Hubert Sattler, 1817 in Salzburg geboren, ist heute kein Name, der Auktionskenner:innen oder Ausstellungs-Besucher:innen spontan geläufig wäre. Gerade deshalb lohnt die Annäherung. Sattler gehörte nämlich zu jener Künstlergeneration, die nicht mehr primär für Höfe und Adel arbeitete, sondern für ein bürgerliches Publikum, das neugierig auf ferne Orte und exotische Szenerien war. Sein familiärer Hintergrund verweist bereits auf diese Bildkultur des 19. Jahrhunderts: Sein Vater, Johann Michael Sattler, erlangte mit einem monumentalen Panorama der Stadt Salzburg enorme Bekanntheit. Solche Rundumansichten waren damals eine Sensation – Vorläufer moderner Massenmedien gewissermaßen – und boten den Betrachter:innen eine immersive Erfahrung im 360 Grad Stil. Der Sohn knüpfte daran an, allerdings mit erweitertem Horizont: nicht eine Stadt, sondern die Welt sollte zu seinem Panorama werden.
Braumanns Darstellung gewinnt ihre Substanz aus einer besonders ergiebigen Quelle. Da Hubert Sattler selbst kaum Texte hinterließ, treten seine Skizzen und zeichnerischen Studien in den Vordergrund, die heute im Salzburg Museum bewahrt werden. Diese Blätter sind weit mehr als bloße Vorarbeiten; sie fungieren als eine Art visuelles Tagebuch. Braumann nutzt dieses Material klug und mit sicherem Gespür für historische Einbettung. Die Leerstellen dazwischen werden vom Autor narrativ ergänzt.
Im Zentrum stehen Sattlers ausgedehnte Kunstreisen: in den Orient, nach Ägypten sowie die jahrelangen Aufenthalte in Nord- und Mittelamerika. Diese Unternehmungen erscheinen bei Braumann jedoch nicht als romantische Abenteuer, sondern als Teil einer künstlerischen und ökonomischen Praxis. Sattler sammelte Motive, verdichtete Eindrücke und entwickelte daraus seine großformatigen „Kosmoramen“, die er mit beachtlichem Erfolg ausstellte. Illustriert mit Sattlers Kosmoramen und Darstellungen aus dem Salzburg Museum zeigt das Buch dabei sehr anschaulich, wie eng Kunstproduktion, Reisekultur und bürgerliche Neugier miteinander verflochten waren.
Reizvoll sind vor allem jene Passagen, in denen das 19. Jahrhundert mit seinen Wahrnehmungsgewohnheiten beinahe greifbar wird. Etwa wenn Braumann schildert, wie erstaunt Sattler im Orient war, als man dort beim Mittagessen zwar die Schuhe auszog, den Hut aber aufbehielt.
Aus heutiger Sicht beinahe absurd erscheint die Tatsache, dass Hubert Sattler auf seinen Reisen ungeplant oft auf dieselben Protatgonist:innen trifft, die ebenfalls den Orient oder Ägypten bereisten, darunter Ida Pfeiffer, eine Wiener Weltreisende und Reiseschriftstellerin, die als eine der ersten Frauen überhaupt systematisch mehrere Kontinente durchquerte und darüber vielgelesene Berichte veröffentlichte.
Kosmorama: Das Dampfschiff „Mentor“ in einem Sturm im Mittelmeer
Sattler sammelte Motive, verdichtete Eindrücke und entwickelte daraus seine großformatigen „Kosmoramen“ (…)
Solche Episoden sind mehr als charmante Details. Sie unterstreichen die eigentliche Qualität des Buches: die dichte Verflechtung von individueller Künstlerbiografie und großer Zeitdiagnose. Braumann erzählt nicht nur, wohin Sattler reiste, sondern macht sichtbar, was Reisen damals, im 19. Jahrhundert eigentlich bedeutete – logistisch, kulturell, mental. Etwa wenn Sattler auf mit einem Pferd durch den Nahen Osten reist und heftige Fieberschübe bekommt oder auf dem Dampfschiff „Mentor“ in einen mehrere Tage dauernden Sturm gerät (ohne seinen Zeichenstift aus der Hand zu legen).
Am Ende bleibt der Eindruck einer angenehm unprätentiösen, zugleich ausgesprochen informativen Studie. Christoph Braumanns Buch leistet eine längst fällige Kontextualisierung: Es rückt einen heute wenig bekannten Künstler ins Licht und zeichnet dabei ein lebendiges Bild jener Welt, in der Reisen, Sehen und Darstellen zu zentralen kulturellen Praktiken wurden. Sachlich im Ton, reich an Hintergrund und wohltuend klar im Zugriff – eine Publikation, die ihren Gegenstand ernst nimmt und gerade dadurch überzeugt.
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Durch Orient und Okzident. Die Kunstreisen des Hubert Sattler auf vier Kontinenten von Christoph Baumann
Kosmorama: New York von Williamsburg auf Long Island aus (USA), 1854
Kosmorama: Hafen und Festung Veracruz (Mexiko) 1862
Erst eine derart gebaute Strenge verschafft allen anderen Designelementen die Möglichkeit zu größtmöglicher Entfaltung, würde er vermutlich sagen und dann womöglich auf die Notwendigkeit verweisen, dass auch Edelsteine erst recht zur Geltung kommen, wenn sie den nötigen Schliff und die richtige Fassung bekommen. Insofern ist Piet Blanckaert durchaus als Abkömmling der Topiarigärten der Renaissance und des Barock ansehen. Allerdings legt er sein Augenmerk nicht darauf, wie ehedem sämtliche Pflanzen durch komplizierte Schnitttechniken in geometrische Form zu zwingen und ihnen ein architektonisches, ornamentales oder figürliches Aussehen zu verleihen. Statt der geschwungenen „Broderies“ und labyrinthisch verschlungenen Muster kommt es ihm zuallererst auf Struktur gebende Klarheit an. Oft sehen seine Formschnittgehölze wie Spielfiguren auf einem Brett aus. Der luftige Freiraum zwischen abgerundet geschnittenen Zylindern schafft dann das, was das Paradox jeglicher Grenze ausmacht: das Ende eines Raums und zugleich auch seine Durchlässigkeit zu markieren.
Sein durchgängiges Credo lautet: Ohne formale Strukturen kein romantischer Wildwuchs. Farb- und Blütenexplosionen gibt es nur hinter einengenden Wänden aus Hecken und Gehölzen aus Buchs, Taxus oder Eibe, welche mit ihren Wänden und Toren oder geometrischen Körpern für An-haltspunkte und Rhythmisierung sorgen; erst dann dürfen Kletterhortensien die grünen oder steinernen Mauern in Kaskaden von Blüten überspielen; Buschzonen aus Rhododendren in Rot- und Violetttönen schaffen einen graduell vermittelnden Übergang zwischen flachen bowling greens, sanft ansteigenden „meadows“ und den großen Kiefern eines Landschaftsgartens oder prächtigen Solitären im Hintergrund. – Piet Blanckaert – ein moderner Traditionalist.
Statt der geschwungenen „Broderies“ und labyrinthisch verschlungenen Muster kommt es ihm zuallererst auf Struktur gebende Klarheit an.
Herausgeber : Amazon – BoD – Books on Demand
2. Auflage
Sprache : Deutsch
Seiten: 76 Seiten
ISBN: 3819207791