HELMUT LANG

Séance De Travail
1986—2005

10.12.2025 – 03.05.2026

MAK Museum für Angewandte Kunst Wien



20. Apr. 2026,
Geschrieben von Yudi Warsosumarto

Mit „Séance de Travail“ – übersetzt „Die Arbeitssitzung“ – gibt das MAK einen kleinen Einblick in das größte, institutionelle Archiv des Designers Helmut Lang. Eine kompakte und beeindruckende Soloausstellung zu Ehren des Meisters. Eine, die das Oeuvre der Marke Helmut Lang, szenografisch geführt durch Kuratorin Marlies Wirth, offenbart.

MAK Ausstellungsansicht, 2025 / Kapitel INTRO HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive MAK Ausstellungshalle © kunst-dokumentation.com/MAK

MAK Ausstellungsansicht, 2025 / Kapitel INTRO HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive MAK Ausstellungshalle © kunst-dokumentation.com/MAK

MAK Ausstellungsansicht, 2025 / Kapitel INTRO HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive MAK Ausstellungshalle © kunst-dokumentation.com/MAK

Der kuratorische Rahmen der Ausstellung ist im MAK Helmut Lang Archiv verankert und greift Langs Konzept der „Séance de Travail“ – als Prozess kontinuierlichen Experimentierens, Verfeinerns und Erneuerns auf.

Also sprach Helmut Lang. Dieses Gefühl könnte einen schon am Beginn der Ausstellung beschleichen, wenn man auf das bekannte New Yorker Taxi-Top mit seinem Logo blickt. Ein Bild, das das Stadtbild der Metropole prägte. Zur damaligen Zeit eine nachhaltige Deklaration einer starken Präsenz.

Ein paar Schritte weiter wachen monolithisch erscheinende Schränke, die Helmut Lang zusammen mit dem Architekten Richard Gluckman entworfen hat. Wie einem kubrik‘schen Science-Fiction-Film entsprungen, reichen sie in den Raum und versetzen in Langs Flagshipstores zurück. In den Vitrinen der vier „Monolithen“ finden sich Pläne und Fotografien der Shops in New York, Tokio und weiterer Städte und auch Werbung.

Werbung?! Welch armseliger Begriff für doppelseitige Anzeigen, die sich mit Arbeiten von Robert Mapplethorpe, Jenny Holzer und Louise Bourgeois auseinandersetzen. Spürbar ist, dass es sich dabei nicht um die kommerzielle Ausbeutung von Kunst handelt, sondern um gegenseitige Wertschätzung und Respekt. Nicht reißerisch kommerziell, sondern subtil und fast schon liebevoll. Das Ende des Raumes gibt den Blick auf eine riesige Abbildung eines ikonenhaften Plakats aus Manhattan frei, das den Namen des Designers trägt. Nicht erst hier wird klar, dass es bei Helmut Lang niemals einfach nur „Werbung“ ging. Nein, hier handelt es sich um die Kreation einer eigenen Welt und den auf Emotionen basierenden Aufbau der Marke Helmut Lang.

Taxi Top, Helmut Lang, New York City

Helmut Lang, test print of an advertisement featuring “elastic holster tank and cotton knit cut-out glove,” Helmut Lang Collection Hommes Femmes Séance de Travail Défilé # Été 04, backstage photograph by Juergen Teller MAK Helmut Lang Archive, LNI 1778-4-54. Courtesy of hl-art

Thomas Braun, Backstage Photograph by Juergen Teller, Helmut Lang Collection Hommes Femmes Séance De Travail Défilé # Été 94 Photographer: Juergen Teller, Paris, 1993

Helmut Lang, test print of an advertisement featuring “metallic skirts,” Helmut Lang Collection Hommes Femmes Séance de Travail Défilé # Été 04, backstage photograph by Juergen Teller MAK Helmut Lang Archive, LNI 1778-4-57. Courtesy of hl-art

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MAK Ausstellungsansicht, 2025 / Kapitel MEDIEN & KULTURELLE PRÄSENZ HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive MAK Ausstellungshalle © kunst-dokumentation.com/MAK

Durch die Verbindung von Streetwear, subkulturellen und folkloristischen
Referenzen mit maßgeschneiderter Kleidung und Abendmode entwickelte
Lang eine codierte „Uniform“ für eine neue kreative Generation: sich mit Mode auseinanderzusetzen, ein neues Gefühl von Identität und Präsenz.

Im Hauptraum ist am Boden 1:1 der Sitzplan einer Helmut Lang Modenschau ausgezeichnet. Die Halle wirkt wie ein Tempel des Who-is-Who der damaligen Modeszene, in dem zudem Helmut Langs Skulpturen Platz gefunden haben, die jedoch in ihrer Subtilität etwas verloren wirken. Hier begegnet man endlich auch den ersten Kleidungsstücken des Designers. Es sind Accessoires Vêtements – „hybride Objekte zwischen Kleidung und Accessoire“. In ihrer Spartanität und ihrem minimalistischen Ansatz, wirken die Stücke nach wie vor revolutionär. Einem Lexikon gleich ist Langs kreativen Schaffens hier praktisch auf vier Screens abrufbar. Offensichtlich haben die Arbeiten nichts an Aktualität verloren, denn beim Besuch der Ausstellung geben sich gerade zwei Influencer die Mühe, den gesamten Katalog mit ihren Mobiltelefonen abzufotografieren – klick, klick, klick. Spätestens hier wäre es schön gewesen diejenigen, die Helmut Lang umgaben, begleiteten und unterstützten, zu erwähnen, wie etwa die 2025 verstorbene Stylistin und Muse Melanie Ward.

Gleich mehrere Vitrinen sind Langs Parfum-Kampagne und Flacons gewidmet, die in Kollaboration mit Jenny Holzer entstanden. Die ausgestellten Zeitungsanzeigen und Fotos haben ebenso wenig an Einzigartigkeit, wie an Wirkung verloren. Die Zusammenarbeit mit Holzer startete 1996 und manifestierte sich im Jahr 2000 als Parfüm mit den Worten: „I SMELL YOU ON MY SKIN…“. Man sollte hier fairerweise Kreativdirektor Marc Atlan erwähnen, der einen mehr als wichtigen Beitrag leistete, wie er es unter anderem auch bei der visuellen und konzeptionellen Sprache von Comme des Garçons oder A.P.C. getan hatte. All jene, die wirklich tief in die Chronologie der Entwürfe Langs einsteigen wollen, sei das Medieneck am Ende des Raumes nahegelegt, in dem Videos von Defilees endlos spielen.

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Helmut Lang Parfum Beilage New York Times, 1996

Helmut Lang Parfum Beilage New York Times, 1996

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MAK Ausstellungsansicht, 2025 / Kapitel MEDIEN & KULTURELLE PRÄSENZ HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive MAK Ausstellungshalle © kunst-dokumentation.com/MAK

MAK Ausstellungsansicht, 2025 / Kapitel MEDIEN & KULTURELLE PRÄSENZ HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive MAK Ausstellungshalle © kunst-dokumentation.com/MAK

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MAK Ausstellungsansicht, 2025 / Kapitel BACKSTAGE HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive MAK Ausstellungshalle © kunst-dokumentation.com/MAK

MAK Ausstellungsansicht, 2025 / Kapitel MEDIEN & KULTURELLE PRÄSENZ HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive MAK Ausstellungshalle © kunst-dokumentation.com/MAK


Auch hier stellt sich die Frage, ob eine kurze Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten und der Stimmung von Damals nicht geholfen hätte, den wirklichen Wert der Mode Langs besser verdeutlichen zu können. Es waren die 1990er Jahre, die für eine unterschätze Generation X unendlich wichtig waren. Eine Zeit der Öffnung, des Eklektizismus und gleichzeitig Individualismus. Helmut Langs Kollektionen waren für diese jungen Erwachsenen die ideale Arbeitskleidung – egal, ob man in der Nacht unterwegs war, zur Arbeit oder mit den Kindern in den Park ging. In einer Zeit, in der man mit unglaublicher Vielfalt in Kunst, Kultur, Design und Sozialem konfrontiert wurde, boten Helmut Langs Designs eine stilvolle Stabilität, ohne andere auszugrenzen. Eine Referenz, die hier leider fehlt.

Geprägt von interdisziplinärem Denken, Egalitarismus, kultureller Sensibilität, Mut zum Experiment und persönlichem Engagement hat Helmut Lang mehr als nur Modegeschichte geschrieben.

Lookbook Seite, Helmut Lang 2003

Lookbook Seite, Helmut Lang 2003

Lookbook Seite, Helmut Lang 2003

Die Szenografie vermittelt ein intuitives Verständnis für seinen unverwechselbaren Ansatz und seine bis heute spürbare kulturelle Relevanz.“

Marlies Wirth

Am Ende der Ausstellung kommen Fashion-Aficionados auf ihre Kosten: Lookbooks, Prototypen und diverse Kleidungsstücke aus der Lang-Sammlung des MAK werden zur genaueren Studie in Vitrinen präsentiert. Polaroids und Backstage-Fotos von Jürgen Teller lassen die Zeit spüren, ohne deren Aktualität zu verwischen. Neugierige Blicke streifen über Arrangements von Jacken und weiteren Accessoires Vêtements, die klar die Relevanz von Materialität und Reduktion in den Kleidungsstücken erkennen lassen.

Die Ausstellung ist definitiv sehenswert. Sie beschäftigt sich mit der Marke Helmut Lang, die vor keiner Inszenierung scheut, ohne überbordend zu wirken. Ab und an vermisst man Referenzen zur Gegenwart von damals sowie die Erwähnung von kreativen Wegbegleitern um Langs Relevanz stärker zu verdeutlichen. Zu hinterfragen ist auch, ob mit Korrekturen versehene Reinzeichnungen als Demonstration des kreativen Prozesses ausreichend sind. Für ein nicht designaffines Publikum scheint es zu genügen. Was die Ausstellung auf jeden Fall zu verdeutlichen vermag ist, wie kontemporäre Markenkommunikation funktioniert. Dass ein Logo noch keine Marke macht, sondern eine Welt geschaffen wird, die Konsument:innen nicht zum Kauf von teuren Kleidern forciert, sondern emotional an die Marke bindet. Und genau das hat Helmut Lang exzellent geschafft.

MAK Ausstellungsansicht, 2025 / Kapitel BACKSTAGE HELMUT LANG. SÉANCE DE TRAVAIL 1986–2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive MAK Ausstellungshalle © kunst-dokumentation.com/MAK


HELMUT LANG
Séance De Travail 1986—2005

10.12.2025 – 03.05.2026
MAK Museum für Angewandte Kunst Wien

Marlies Wirth, Kuratorin Digitale Kultur und Kustodin MAK Sammlung Design zeichnet für die Kuratierung und szenografische Idee der Ausstellung verantwortlich. Lara Steinhäuser, Kustodin MAK Sammlung Textilien und Teppiche oblag die wissenschaftliche Beratung.

Das MAK Helmut Lang Archiv, das dem MAK 2011 vom Künstler als Schenkung übergeben wurde, ist das größte und einzige offizielle öffentliche Archiv zu seinem Werk. Mit mehr als 10.000 Datensätzen umfasst unzählige Objekte und Dokumente, die die Entwicklung des 1986 von Helmut Lang Wien gegründeten Labels bis zu seinem Ausstieg 2005 nachzeichnen.