Jozef und Isaac Israëls – Vader und Sohn

Dem kunstinteressierten deutschen Publikum sind diese Zuordnungen keineswegs fremd. So ging vor kurzem erst die Ausstellung »Der weite Blick« in der Neuen Pinakothek in München zu Ende, die Landschaften der Haager Schule – Gemälde, Grafik und als Novität hierzulande: Fotografie – präsentierte. Andererseits darf man nicht verkennen, dass die große Kölner Impressionistenschau »Landschaft im Licht« 1990 den Namen Israels nicht führte. Offen oder verborgen, zumal Jozef Israels von fundamentaler Bedeutung für die Moderne ist: etwa als Inspirationsquelle des frühen Vincent van Gogh und letztlich hat auch Piet Mondrian in der Haager Schule und damit auch bei Israels seine Wurzeln (und Hand aufs Herz, diese Seite der beiden wird gern übersehen). Grund genug, die Haager Ausstellung zu würdigen und mit den beiden Israels-Werken ein Stück Neubeginn der niederländischen Malerei ins Visier zu nehmen.

Kuratiert wird die Schau von John Sillevis, der sich hiermit auch – nach 35 Jahren – als (Haupt-)Konservator des Den Haager Gemeentemuseums verabschiedet. Als bester Kenner der Haagse School favorisiert Sillevis zwar den Maler-Vater gegenüber dem Sohn, der wohl auf dem internationalen Parkett verkehrte, dessen Werk dort allerdings weniger präsent war als das seines Vaters. Es ist freilich auch nachvollziehbar: Jozef Israels begründete die holländische Schule mit, die noch den regionalen Impressionismus zu prägen schien, obwohl sie wegen ihrer eher tristen Palette auch als »Graue Schule« gehänselt wurde – Israels hellte sogar im Laufe seiner malerischen Entwicklung seine Palette auf. Isaac Israels wiederum, sehr viel luftiger im Auftrag, kam nicht so sehr aus dem Schatten (auch des Vaters) heraus, um sich im impressionistischen Farbgeflimmer wesentlich hervorzutun, zumal er in der historischen Einordnung neben dem Vorreiter Johann Barthold Jongkind und dem souveränen Maler-Fotografen George Hendrik Breitner keinen leichten Stand hatte. Sillevis sieht gegenwärtig jedoch ein erwachtes Interesse für Isaac Israels, wirft das Talent beider Maler treffsicher in die Waagschale: »Der alte Israels malte mit Schatten und Schmerzen, der ewig junge Isaac mit Licht und Farbe«, schreibt er im Katalog – was das Licht angeht, sicher relativierend, oder in Rechnung stellend, dass der niederländische wie der davon inspirierte deutsche Impressionismus (mit Max Liebermann) sehr viel bodenständiger ist und weniger lichthaltig als der französische. Sillevis war es, der in der genannten Impressionismus-Ausstellung in Köln vor fast 20 Jahren die Betrachtung der Schulen von Barbizon und Den Haag einer Analyse impressionistischer Lichtmalerei vorzog.

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Im Zentrum steht nun nicht die Herausbildung und Entwicklung der Stile – die in den Niederlanden notwendig die gattungsübergreifende Kultur der sogenannten Tachtigers (nach dem Wirkungsjahrzehnt der 1880er Jahre benannt) mit einbeziehen müsste –, sondern das Verhältnis zweier Künstlerpersönlichkeiten gleichen (Nach-)Namens, deren Werk in Einfluss und Andersartigkeit gewürdigt wird. Der populäre Jozef Israels, Jahrgang 1824, nahm einfühlsam die Fischer ins Visier (die Dünen im Blick), brillierte aber auch als monumentaler Historienmaler, Isaac Israels, Jahrgang 1865, stellte als meisterhafter Maler, Aquarellist und Zeichner den spontanen Eindruck einer mondänen, städtischen Welt über das konkrete Motiv – feinfühliger Traditionalist mit Gespür für neue Trends der eine, nüchterner Modernist mit Bewusstsein für alte Werte der andere. Jozef Israels brachte das Verhältnis selbst auf den Punkt, wenn er behauptet, sein Sohn habe die Militärs gemalt, die ins Feld ziehen würden, während er die weinenden Witwen darstellte.
 

 

Geschrieben von Sebastian Strenger