"Karl Kunz – 1905-1971" Ausstellung im Foyer der HBKsaar in Saarbrücken

Karl Kunz, dessen Werk unter dem Einfluss des deutschen Surrealismus‘ stand, wurde 1905 in Augsburg geboren. Nach ersten künstlerischen Schritten in München, während denen er Kontakt zur Hans-Hoffman-Kunstschule hatte, arbeitete er in den Jahren 1927 bis 1930 als freischaffender Künstler in Berlin und wurde anschließend Meisterschüler bei Erwin Hahs an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale. Wie vielen der damals zeitgenössisch arbeitenden Künstlern wurde auch Karl Kunz 1933 ein Malverbot erteilt. Er wurde kurzfristig verhaftet und seine Werke mit dem Etikett der „Entarteten Kunst“ versehen. Heimlich arbeitete er weiter und trat 1945 als reifer, der Moderne verpflichteter Künstler an die Öffentlichkeit, wo er gleich durch seine ungewöhnliche Formgebung auffiel.

In seinen ersten Jahren nach dem Krieg leitete Kunz als Lehrbeauftragter an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken Meisterklassen für Malerei und Grundlehreklassen. Daraus entstand 1948 die Wanderausstellung „Junge Menschen lernen Malen, Lehrmethoden heutiger Bildgestaltung unter der Leitung von Karl Kunz“.

Im Anschluss seiner Tätigkeit in Saarbrücken übersiedelte Kunz nach Hessen. 1954 war er mit vier Gemälden im deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig vertreten. Seit 1957 unterhielt er ein Atelier in Frankfurt am Main. In den Jahren 1959 und 1960 kehrte er für eine kurzfristige Lehrtätigkeit an der Werkkunstschule nochmals nach Saarbrücken zurück. Es folgten Studienreisen nach Frankreich, Italien und Spanien. 1969 war Karl Kunz Ehrengast der Villa Massimo in Rom.

Als er 1971 in Frankfurt am Main starb, hinterließ er 560 großformatige Ölgemälde und zahlreiche Zeichnungen, u.a. die einundsechzig Illustrationen zu Dantes Inferno. Viele Bilder von Kunz befinden sich heute im Saarland in privater und öffentlicher Hand. Seine figurativ bestimmte Malerei  verbindet manieristische Linienführung mit komplexer Raumgestaltung und lässt so eine reichhaltige, ornamentale Bildwelt entstehen, in deren Kulissen er sein „Welttheater“ inszenierte. Bild bedeutete ihm „Fülle des Inhalts plus Formgebung“. Das "Was" und "Wie" sollten eine selbstverständliche Einheit bilden.

Die Werkauswahl, die nun in Saarbrücken zu sehen ist, wurde von Wolfgang Kunz, Fotograf und Sohn von Karl Kunz, zusammengestellt. Sie zeigt Gemälde, Zeichnungen und Wandbildentwürfe aus den Jahren, in denen er in Saarbrücken lehrte.

Die Ausstellung in der Hochschule der Bildenden Künste wurde initiiert von den Machern der „Classic Photography 2009 “, bei der auch die fotografischen Arbeiten von Wolfgang Kunz in Homburg gezeigt wurden, die er während der Jahre schuf, in denen er mit seinem Vater in Frankfurt zusammen lebte und beide sich gegenseitig in ihrem künstlerischen Schaffen inspirierten.

Geschrieben von Verena Paul