Susanne Kerkovius: Ida
Ein Leben für die Kunst

Europabuch-Verlag Berlin


12. Feb. 2026,
Geschrieben von Susanne Ramm-Weber

Die Autorin, Germanistin und Historikerin Susanne Kerkovius hat eine ebenso detailreiche wie präzise und warmherzige Romanbiographie über das Leben und Umfeld der Großtante ihres Ehemannes verfasst. Ida. Ein Leben für die Kunst, so der Titel, basiert im Wesentlichen auf Briefdokumenten, welche die Malerin Ida Kerkovius (1879–1970) mit ihren zahlreichen Brüdern austauschte. Ein Notizbüchlein aus dem Jahr 1941 hat sich erhalten. Erzählungen aus der Familie und der Zugang zum Familienarchiv waren vorhanden. Man merkt dem Buch über Idas Leben das Herzensanliegen der Autorin an.

Die Stuttgarter Malerin entstammte einer kinderreichen deutschbaltischen Gutsherrenfamilie aus Riga. Ihr Werk wird auch heute, über fünfzig Jahre nach ihrem Tod, noch ausgestellt; aktuell sind gewebte Teppiche im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen.

Die Autorin bemüht sich in erster Linie darum, die weibliche Seite, die Lebensbedingungen und ein Bild des Menschen Ida Kerkovius nachzuzeichnen. Diese in Teilen fiktionalisierte Biographie ergänzt eine Vielzahl an Katalogen, die über das Werk der bedeutenden Malerin und Teppichweberin der klassischen Moderne verfasst wurden, die ihrem eigenen Stil der gebauten Kompositionen immer treu blieb. Zu Lebzeiten interessierte sich der SWR für Ida Kerkovius, die 1908 nach Stuttgart gekommen war und zunächst als „russische Malerin“ wahrgenommen wurde.

Es entstanden Filme zu ihrem achtzigsten Geburtstag im Jahr 1959 und zum 85. Geburtstag im Jahr 1964. In jener Zeit galt das als Besonderheit und zeigt die Wertschätzung.

Das Buch ist chronologisch geordnet und zeichnet so den Lebensweg im Großen und Ganzen nach: die Kindheit mit den vielen Geschwistern auf dem elterlichen Gutshof Saadsen (heute Zādzenes muiža) an der lettischen Ostseeküste, sechzig Kilometer von Riga entfernt. Die Freude, wenn der Eismann kommt, und die unterschiedlichen Badezeiten für Männer und Frauen. Die großzügigen Eltern ermöglichen ihr Kunstunterricht. Nach einer Bildungsreise durch Italien in Begleitung von Onkel und Tante geht sie 1903 zu Adolf Hölzel nach Dachau, später folgt sie ihm als Assistentin an die Stuttgarter Kunstakademie, wird Professorin und erhält schließlich das Bundesverdienstkreuz.


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Sie heiratet nie, um sich ganz der Kunst zu widmen – ein unbedingter Wille, die einzige Art, sich in Farbe auszudrücken. Gleichwohl sind Beziehungen wichtig, manchmal auch zu viel, weil sie von der Arbeit ablenken: in jener Zeit per Brief, Telefon, einmal gibt es ein Telegramm, und dann per Reise und Gastfreundschaft. Ob Berlin, Dachau oder Hofheim am Taunus, wo ihre Schülerin und Freundin Hanna Bekker – ihrerseits zuerst eine Schülerin von Ottilie Roederstein – mit ihrer Familie lebt und sich auch um Bildverkäufe kümmert. Von 1920 bis 1923 verbringt Ida Kerkovius als 41-Jährige die Wintersemester in der Textil- und Webklasse von Gunta Stölzl am Bauhaus in Weimar, wo sie den etwas jüngeren Johannes Itten, der in Stuttgart ihr Schüler gewesen war, als Lehrer wiedertrifft.

Susanne Kerkovius erzählt das alles nüchtern sachlich und pragmatisch, sie lässt die Umstände der Zeit aufscheinen. Wie lebte man im Baltikum in jener Zeit vor den Zerwürfnissen durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg? Ganz nebenbei wird hier Geschichte von unten, aus Sicht der Menschen, dargestellt. In den Details schreibt Susanne Kerkovius sehr präzise und unmittelbar.

Zwei Figuren, Öl, 1956, 42,3 x 58,8 cm © Uwe Jourdan, Werkverzeichnis Ida Kerkovius, Stuttgart. 2025

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In den Details schreibt Susanne Kerkovius sehr präzise und unmittelbar.

Idas Eingebundensein in die Künstlerschaft, zu der in jenen Jahren auch Paul Klee und Wassily Kandinsky am Bauhaus selbstverständlich dazugehören, wird mitgeliefert. Mit Klee tauscht Ida Kerkovius Werke aus. Sieben Werke sind in der Romanbiographie abgebildet.

Als Leser kann man gut mitleben. Die Autorin erfindet dazu einen magischen Liebhaber, einen „Kugelmenschen“ für Ida, der dem Buch eine kleine würzige Note gibt und den schwachen Spannungsbogen leicht hebt. Gleichzeitig schimmert der Zeiteinfluss von heute durch: Das Wort „prekär“, wenn es um die materiellen Verhältnisse und das Ausgelaugtsein vom Schöpfen geht, klingt danach. Plastisch erscheint eine Szene, als ihr Bruder Rudolf sie – nun mittlerweile in Degerloch ansässig – besucht und eine gehörige Menge Geld in einer Zuckerdose findet.

Die Staatsgalerie Stuttgart hat 35 Werke von Ida Kerkovius in ihrem Besitz. In der Mittelbadischen Ortenau, wo die Autorin lebt, war in den 2010er Jahren längere Zeit eine Arbeit von Ida Kerkovius in der Sammlung Rüdiger Hurrle zu sehen. Die letzte größere Einzelausstellung fand im Städtischen Museum Engen im Jahr 2017 statt, im Herbst dieses Jahres gibt es in der Fritz-Ruoff-Stiftung eine Gemeinschaftsausstellung mit Werken von Ida Kerkovius zu sehen.

Ohne Titel, Öl, 1953., 16,5 x 25 © Uwe Jourdan, Werkverzeichnis Ida Kerkovius, Stuttgart. 2025

Am schwarzen Meer, 1938, Pastell, 49/ x 67 cm © Uwe Jourdan, Werkverzeichnis Ida Kerkovius, Stuttgart. 2025

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Das lesenswerte Buch ist im Europabuch-Verlag Berlin unter der ISBN 9791257030506 erschienen und kostet 18,50 Euro