Warhol, Lichtenstein, Rauschenberg, Twombly, Kiefer.

Zunächst waren Sammler unter sich: Erich Marx wollte einige seiner Arbeiten auf Reisen schicken, weil er Platz benötigte für eine temporäre Schau – da kam ihm Frieder Burda wohl gelegen, der selbst die Kunst nach 1945 in seinem üppigen Fundus hat. Nachdem die Sammlung in Berlin ins Kreuzfeuer zwischen Sammler und Staatlichem Haus geriet, werden Ausstellungsmacher und Publikum in der Baden-Badener Ruhezone ohnehin die Kunst ohne Theaterdonner drumherum genießen, bevor sie wieder ins Gesamtensemble rückgeführt wird.

An seine Seite gesellen sich vortrefflich die Arbeiten Roy Lichtensteins und Robert Rauschenbergs, die einmal im Stil der Comic-Realität, zum anderen im heftigen Lebensrausch Positionen der symbolträchtigen Oberflächlichkeit zelebrieren. Von Rauschenberg führt ein Weg zu den großen Erneuerern mythischer Visionen: Cy Twombly und Anselm Kiefer. Während Warhol über emotionale Befindlichkeiten hinweg geht und Lichtenstein regelrecht die Distanz sucht, ziehen Rauschenbergs Combine Paintings den Betrachter ins Bild hinein, ohne ihn zu vereinnahmen; bei Twombly und Kiefer dagegen kommt man nicht umhin, Stellung zu beziehen, sich mit Form (Twombly) und Inhalt (Kiefer) auseinanderzusetzen.

Längst sind die gezeigten Maler Klassiker ihrer Zunft, ihre Werke Ikonen der 1950er und 1970er Jahre. Aber die Faszination, die gerade von ihnen ausgeht, ist ungebrochen. Das führen die hochrangigen Beispiele ihrer Werke in Baden-Baden einmal mehr vor Augen. Wenn dazu noch Warhols wenig bekannte Zeichnungen aus seiner Zeit als Werbegrafiker gezeigt werden, wird die Schau sogar zum Ort neuer Begegnungen.

 

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Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr

Geschrieben von Sebastian Strenger