Wolfgang Häberle, Sehen und gesehen werden
Da scheint es ihm vor allem Max Beckmann angetan zu haben. Auch wenn er gerade da dem Vorbild nicht Stand hält – interessant ist in der Beckmann-Staffel allerdings die Kühnheit, mit der Häberle die schwere Mythensprache in unsere Zeit und seine Lebenswelt transportiert –, gelingen dem Künstler doch faszinierende Spitzen, wenn er die Perspektive aufbricht oder seine Motive aus einer extremen Position drastisch vor Augen führt.
Häberle kommt eigentlich von der Landschaft her, aber wo er diese strukturiert und »in Form bringt«, erkennt man sein gutes Gespür für die Rauminszenierung und für Architektur, die er nur konsequent als Sujet in sein Werk aufgenommen hat und an der er offenbar aktuell auch weiterarbeitet. Hinreißend gar ist seine gemalte Stuhlserie, um so mehr, als man gegenwärtig im nicht weit entfernt gelegenen Kornwestheim Arbeiten des Holzschneiders Gert Fabritius bewundern kann, die dem Stuhlmotiv einen weiten Raum gewähren. Wie dort, entpuppen sich die Sitzgelegenheiten auch hier als existentielle Chiffren. Vom Sitzmöbel zum Menschen ist nur ein kleiner Schritt, und Häberle macht kein Hehl aus seiner Zuneigung zum Menschen: ihren Lebensalltag gestaltet er unermüdlich und mit Esprit. Mag das Werk in manchen Teilen etwas unsicher scheinen und im Detail auch Schwächen haben (manche Gesichtszüge sind ihm überm Pinselstrich regelrecht entgleist), in seiner Vielfalt gelingen Häberle gewitzte Dramolette mit allerlei spannenden Hintergedanken.
Wolfgang Häberle 1951 studierte 1973–78 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Hugo Peters, Gunther Böhmer und Rudolf Schoofs. Seit 1984 ist er Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg, lebt und arbeitet in Löchgau.
Weitere Informationen
Öffnungszeiten
Dienstag – Freitag 14–18 Uhr
Donnerstag 14–20 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag 11–18 Uhr
Montag geschlossen
Eintritt frei
Führungen für Gruppen und Schulklassen nach telefonischer Anmeldung